
Gründung
Die Gründung der Stadtmusik Arbon erfolgte im Winter 1888/89. Es waren 6 Musikanten mit ihrem Dirigenten Bartel welche den ersten Schritt wagten. Die Entwicklung des Mitgliederbestandes bereitete in den ersten 60 Jahren scheinbar wenig Mühe. Zwei, drei Jahre nach der Gründung erhöhte sich der Bestand bereits auf 10 und schon vor der Jahrhundertwende auf 22, ein weiteres Jahrzehnt später auf 27 Mann.
Irgendwie soll die Auffassung geherrscht haben, dass diese Anzahl Mitglieder das Maximum einer Musikgesellschaft sein sollte. Weitere Vereinsanwärter wurden nicht aufgenommen und auf eine Warteliste gesetzt. Dass sich dann diese provisorisch abgewiesenen Musikanten für die Aufnahme in der Musikgesellschaft «Alpenrösli», dem damals zweiten in Arbon existierenden Musikverein, bemühten, versteht sich. Doch mit dem Amtsantritt von Direktor Heinrich Steinbeck, änderte sich offensichtlich auch die Mitgliederpolitik der Stadtmusik.
Dank dem enormen Einsatz und dem Verhandlungsgeschick des damaligen Präsidenten, Georg Anderes, fusionierten die beiden Musikgesellschaften. Damit wuchs der Mitgliederbestand auf 60 und mehr. Dieser Bestand konnte relativ lange gehalten werden.
Jugendmusik
Wie übrigens auch in anderen Vereinen begann in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg eine langsame aber stetige Abnahme der Aktivmitgliederzahl. Zwar wurde diese Situation schon früh erkannt. Sie gab Anstoss zur Gründung der Knabenmusik Arbon, später Jugendmusik der Stadtmusik Arbon. Die Herren Adolf Huber, Albert Bauer, Arthur Amberg und Otto Rupp, alles Aktivmitglieder, waren die Musiklehrer. Dirigent war Walter Fehr. Der Beifall für den ersten öffentlichen Auftritt am 13. Juni 1948 soll stürmisch gewesen sein. Aus dieser Formation sind vorzügliche Musikanten hervorgegangen.
Ära Heinrich Steinbeck
Am 2. Mai 1884 wurde Heinrich Steinbeck als achtes Kind eines Schulmeisters im hannoveranischen Gödestorf geboren. Mit sieben Jahren erhielt er den ersten Unterricht in Klavier und Geige. Als Elfjähriger erlernte er das Spielen eines Blasinstrumentes, und damit fiel bereits eine erste Entscheidung für seine spätere musikalische Laufbahn. Schon mit 13 Jahren versuchte er sich im Komponieren von Märschen. Die zweite Entscheidung brachte die Bekanntschaft seines Vaters mit einem Militärkapellmeister aus Hannover, der den jungen Steinbeck zu sich nahm und ihm eine gründliche Musikerziehung zuteil werden liess. Mit 16 Jahren trat er in die Militärmusikschule Dömitz-Schwerin ein. Nach dem Militärdienst als Regimentsmusiker besuchter er das Staatskonservatorium in Würzburg, wo er sich zum Kapellmeister und Pianisten ausbilden liess. Er verdiente sich seine ersten Honorare als Pianist in Norwegen, Schweden und Finnland. Im Alter von 25 Jahren wurde Heinrich Steinbeck als Theaterkapellmeister nach Karlsruhe berufen. Daneben leitete er auch ein bekanntes Blasorchester. Am 15. Juli 1912 wurde Heinrich Steinbeck aus über 40 Bewerbern zum neuen Leiter der Stadtmusik Arbon gewählt. Damit war sein Schicksal früh entschieden. In Arbon wuchs sein Werk, in Arbon schlug er seine Wurzeln, in dieser lebendigen Bodensee-Stadt aber schuf er jenes Instrument, auf dem er wirklich wie ein Meister zu spielen verstand: Die Stadtmusik, die sich unter seiner vorzüglichen Leitung zu einem beachtlichen Klangkörper entwickelte.
Im Weiteren leitete Heinrich Steinbeck den Orchesterverein und den Arbeitermännerchor Arbon, aber auch zeitweilig die Musikgesellschaften von Amriswil, Romanshorn, Steinach, Sulgen, Turbenthal und Uttwil. Auch nach vielen Erfolgen blieb Heinrich Steinbeck ein Volksmann bester Prägung. Obwohl ihm oft Angebote unterbreitet wurden, hielt er Arbon und seiner Stadtmusik während 45 Jahren die Treue, ehe er 1957 von seinem Amt zurücktrat. Sein Urteil als Experte an zahlreichen Musikfesten war im In- und Ausland sehr geschätzt, und er wirkte auch in verschiedenen Gremien des Eidg. Musikverbandes mit.
Heinrich Steinbeck strahlte viel sympathische Menschlichkeit aus und schuf Musik, die in ihrer Klarheit und Volksverbundenheit jedem ins Blut geht. Seine vielen Märsche, Konzertstücke und Ouvertüren sind von der freien Weite des Bodensees und dem festlichen Glanz der thurgauischen Heimat geprägt. Steinbecks Werke werden auch heute noch nicht nur in der Schweiz, sondern auch auf der ganzen Welt gespielt.
Der junge Präsident der Jahre 1953-58 und späterer Gründer der Arbonia-Forster Holding, war Jakob Züllig. Ihm fiel unter anderem die Ehre zu, den sehr verdienten Ehrendirektor, Heinrich Steinbeck, der die Stadtmusik Arbon von Erfolg zu Erfolg führte, würdig zu verabschieden. Am 20. Juli 1967 starb der grosse Dirigent und Komponist, dessen ganzes Leben von Musik erfüllt war, nach kurzer Krankheit im 84. Altersjahr.
Schweres Erbe
Der Nachfolger von Heinrich Steinbeck, Direktor Klentner, hatte ein schweres Erbe anzutreten. Ein Grossteil der Mitglieder tat sehr schwer, sich an die neue Direktion zu gewöhnen. Direktor Klentner soll sich allzu viel der leichteren Musik zugewandt haben. Darauf folgten die Direktoren Max Leemann, Hermann Schröer und René Messmer. Mit René Messmer konnte die Stadtmusik an vielen Musikfesten in der Höchstklasse beachtliche Erfolge feiern. Die Stadtmusik war auch dreimal Gastgebersektion von Kantonal-Musikfesten (1907, 1937 und 1974). 1988 durfte die Stadtmusik ihr 100-jähriges Bestehen in einem würdigen 3-Tage-Fest mit Fahnenweihe und Teilinstrumentierung feiern. Ab Januar 1989 bis Ende 1993 leitete Musikdirektor Peter F. Groll mit viel Geschick die Stadtmusik und verstand es, die Musikantinnen und Musikanten immer wieder zu musikalischen Höchstleistungen anzuspornen. Auf ihn folgten die Dirigenten Josef Schwartz und Markus Augenstein.
Ab Mitte 2002 stand die Stadtmusik unter der Leitung von Thomas Gmünder. Der junge Dirigent verstand es mit seiner unbekümmerten und direkten Art die Musikantinnen und Musikanten zu motivieren und zu Höchstleistungen anzuspornen. Den ersten Erfolg unter der musikalischen Leitung von Thomas Gmünder durfte die Stadtmusik am Kantonalen Musikfest in Amriswil 2004 – 3. Schlussrang in der dritten Stärkeklasse feiern. Es folgte ein hervorragender 2. Rang in der zweiten Stärkeklasse am Thurgauer Kantonalmusikfest in Weinfelden 2009, ein 9. Rang (total 27 Vereine in unserer Kategorie) in der zweiten Stärkeklasse am Eidgenössischen Musikfest 2011 in St. Gallen und ein 3. Rang in der zweiten Stärkeklasse am Kantonalen Musikfest in Müllheim 2014.
Seit 2019 hat Gabriel Mayer Hétu die musikalische Leitung der Stadtmusik Arbon inne.
Dirigenten der Stadtmusik Arbon
1888 | Bartel |
1889 | Baumann |
1889-1890 | Zimmermann |
1891-1892 | Giger |
1892-1894 | August Kern |
1894 | Alois Heuberger |
1894-1901 | August Kern |
1901-1903 | Keller-Ackermann |
1903-1912 | Anton Pauker |
1912-1957 | Heinrich Steinbeck |
1957-1958 | Klentner |
1959-1964 | Max Leemann |
1965-1980 | Hermann Schröer |
1981-1988 | René Messmer |
1989-1993 | Peter F. Groll |
1994-1996 | Josef Schwartz |
1996-2002 | Markus Augenstein |
2002-2019 | Thomas Gmünder |
seit 2019 | Gabriel Mayer Hétu |
Präsidenten der Stadtmusik Arbon
1888-1990 | Baumann |
1890-1894 | J. Bär |
1895-1901 | Rausser |
1901-1902 | Günther |
1902-1911 | J. Hardegger |
1911-1914 | Georg Züllig |
1915-1922 | Paul Straub |
1923-1929 | Georg Anderes |
1930-1933 | Emil Neusch |
1933-1938 | Walter Wiederkehr |
1938-1943 | Edwin Schär |
1943-1946 | Rudolf Jenny |
1946-1953 | Hansueli Geiser |
1953-1958 | Jakob Züllig |
1958-1962 | Josef Brunner |
1962-1963 | Walter Wiederkehr |
1963-1971 | Paul Herzog |
1971-1979 | Ernst Friedrich |
1979-1980 | Marcel Büchler |
1980-1986 | Jakob Deflorin |
1986-1991 | Ernst Nagel |
1991-2001 | Jörg Schnelli |
2001-2002 | Mirjam Eckenfels |
2002-2009 | Hans Bösch |
2009-2014 | Heinz Herzog |
2017-2020 | Thomas Schnelli |
ab 2022 | Evelyne Jung / Stefan Kress (Co-Präsidium) |